SQL Server unter Linux – Eine Analyse

Wird der SQL Server unter Linux ein Erfolg? Ich wage mich an eine kleine Analyse. Seit längerer Zeit ist bekannt, dass der SQL Server mit SQL Server v.Next auch für Linux erscheinen wird. Ein durchaus erstaunlicher Schritt für Microsoft, der noch vor 5 Jahren undenkbar gewesen wäre.

Es stellt sich jedoch die Frage, wird der SQL Server unter Linux ein voller Erfolg oder gar dem SQL Server unter Windows den Rang ablaufen? Oder bleibt es eher bei einem Nischenprodukt, dass eventuell sogar Updates und Features verspätet erhält und in 10 Jahren nur noch halbherzig von Microsoft gepflegt wird?

Microsoft äußert sich hier derzeit eindeutig. Der SQL Server für Linux soll alle Features der Windows Variante erhalten und eine Migration zu Linux sehr leicht machen. Selbst High Availability Features wie AlwaysOn werden mit Linux Clusterlösungen wie Pacemaker unterstützt.

Wer ist also die genaue Zielgruppe für die Linux Version des SQL Servers?

Unternehmen mit der Windows Version des SQL Servers

Bei Unternehmen, die derzeit die Windows Version des SQL Servers einsetzen, dürfte der direkte Wille zu wechseln eher gering sein, vor Allem jetzt am Anfang wo SQL Server v.Next noch sehr jung ist. Auch wäre solch eine Migration durchaus mit Arbeit verbunden, da die entsprechenden Windows Server oft bereits in eine Domäne integriert sind, über die auch entsprechende Group Policies an den Server ausgeliefert werden.

Ein anderes Argument könnte der Support sein: Während man beim SQL Server bis zu 16 Jahre Support erhält und auf den Windows Server 10 Jahre (bzw. in Zukunft mit Premium Assurance ebenfalls 16 Jahre) wird beispielsweise ein Ubuntu LTS nur 5 Jahre unterstützt. Man wird also das Betriebsystem unter Linux mit dem SQL Server häufiger austauschen müssen, als den SQL Server selbst.

Am Ende wird es für die meisten Unternehmen nur sehr wenige Gründe geben, bestehende SQL Server Installationen nach Linux zu migrieren.

Unternehmen mit Oracle unter Linux

Spannender dürfte es bei Unternehmen werden, die derzeit Oracle unter Linux betreiben. Es ist die Anwendergruppe von der sich Microsoft mit dem SQL Server unter Linux wohl am meisten verspricht. Gerade Oracle Administratoren sind mit Linux oft vertrauter. Dazu kommt, dass Oracle am Ende meistens teurer ist als der SQL Server.

Ob sich deswegen eine Migration lohnt, ist so einfach jedoch nicht zu beantworten. Das kommt auf die Applikation an. Leichter ist es bei Applikationen die den SQL Server bereits nativ unterstützen. Bei Applikationen die derzeit nur unter Oracle laufen kann die Migration allerdings sehr komplex werden, weil die beiden Datenbanksysteme (SQL Server und Oracle) sich bei der SQL Syntax teilweise dann doch entsprechend unterscheiden.

Ein wichtiger Faktor dürfte sein, dass man bei Neuentwicklungen direkt den SQL Server unter Linux, statt Oracle in Erwähnung zieht. Es ist damit zu rechnen, dass hier ein Umstieg nicht über Nacht passiert und viele Administratoren und Entwickler noch mehrere Jahre abwarten werden, um zu sehen wie gut sich der SQL Server unter Linux entwickelt bevor man viele Systeme auf den SQL Server unter Linux umstellt.

Anwender von MySQL / MariaDB / PostgreSQL

Interessant dürfte auch der Anwenderkreis der MySQL / MariaDB / PostgreSQL Anwender werden. Gerade bei kleineren Datenbanken kann die SQL Server Express Variante eine MySQL Installation schnell ersetzen und reicht oft völlig aus. Mit einem Limit von 10 GB pro Datenbank lässt sich also durchaus kostenlos ein Forum oder eine WordPress Installation und auch so manche Unternehmenswebseite betreiben.

SQL Server unter Linux wird vor allem dann interessant, wenn man die Features nutzt, die MySQL nicht direkt bereitstellt, wie Compression oder auch die In-Memory XTP Engine. Seit SQL Server 2016 SP1 sind viele dieser Features jetzt ohnehin auch in der kostenlosen SQL Server Express Variante enthalten. Und wer bereits die kostenlose Express Variante einsetzt, wird meiner Meinung nach auch gerne ein kostenloses Betriebsystem dazu wählen, um hier insgesamt Kosten zu sparen.

An den Kunden, die SQL Server Express einsetzen wird Microsoft direkt erst einmal nicht verdienen. Auf lange Frist ist hier aber zu erwarten, dass manche Instanzen so stark wachsen, dass sich die Anwender überlegen müssen, auf eine der kostenpflichtigen Installationen umzusteigen.

Fazit

SQL Server auf Linux ist meiner Meinung nach die richtige Richtung von Microsoft und sehr spannend, allerdings kann es Microsoft nur zum Erfolg führen, wenn sie langfristig beweisen, dass der SQL Server für Linux in Zukunft nicht hinter dem SQL Server für Windows hinterherhinkt. Updates und neue Features müssen gleichzeitig erscheinen und es muss klar sein, dass Microsoft langfristig dabei bleibt. Derzeit sieht alles danach aus.

Aber selbst dann benötigt Microsoft einen langen Atem. Ein kommerzieller Erfolg wird sich wohl erst in ein paar Jahren einstellen. Alleine die Existenz von SQL Server unter Linux macht den SQL Server als Plattform bereits interessanter, wenn man weiß, dass man sich mit der Entscheidung für den SQL Server nicht dauerhaft an ein Betriebsystem bindet.

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